Samstag den 26.01.2002 um 16:00 Uhr.
  Holzschutzmittelstudie  
Karl-Rainer Fabig VorstandsmitgliedInterdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin e.V. (IGUMED)

21.09.2001

Mitteilung zur Holzschutzmittelstudie

Am 20.09.2001 fand in Berlin ein erstes Sachverständigengespräch über die geplante „Holzschutzmittel-Studie“ statt.
Neben dem einladenden und die Sitzung leitenden bgvv-Direktor Prof. Dr. Lingk (und Mitarbeitern) waren folgende Sachverständige als Initiatoren und Befürworter einer wissenschaftlichen Auswertung des Frankfurter Holzschutzmittelprozesses ( Landgericht Ffm 5/26 Kls 65 Js 8793/84) anwesend:
· Dr. Schöndorf, früher Staatsanwalt im Holzschutzmittelprozeß , danach Prof. für Umweltrecht an der FHS Ffm.,
· Herr Prull, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten (IHG e.V.),
· Prof. Dr. Frentzel-Beyme, Universität Bremen und Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), Mitglied der IGUMED.
Als weitere Sachverständige waren erschienen und an der Diskussion beteiligt:
· Prof. Dr. W. Budde, FB Chemie der Universität Oldenburg,
· Prof. Dr. A.D. Kappos (Behörde für Arbeit, Gesundheit und Sozialwesen Hamburg),
· Dr. Uwe Kaiser (Robert Koch-Institut; in Vertretung von Dr. Eis).
Einleitend stellte in einem Vortrag die Privatdozentin Dr. E. Garbe ihre Meinung über die in Frage kommenden Studientypen vor. Nachdem Prof. Lingk u.a. gewisse in der anschließenden Diskussion geäußerte generelle Zweifel am Sinn einer epidemiologischen Auswertung der Daten beseitigt hatte, entspann sich eine engagierte Diskussion über Einzelfallstudien und die Möglichkeiten einer Kohortenstudie und nicht auch letztere sog. „harte“ Endpunkte wie Krebs und wie Mortalität enthalten könnten und müßten. Eine gut geplante Kohortenstudie würde zudem die Möglichkeit bieten, exemplarische Einzelfälle einer besonderen Betrachtung zu unterziehen. Es wurde mehrmals betont, dass gut gesicherte, oft auch hohe und damit geeignete Expositionsdaten - oft über längere Messperioden – bei den Klägern vorliegen. Die Exponierten (oft Ehepaare mit 4 oder 5 Kindern) seien in der Hinsicht keine selektierte Gruppe, da sie zum Zeitpunkt der Klage nicht wissen konnten, welches Gesundheitsverhalten sich nach der Exposition entwickelt. Genau diese Entwicklung gelte es mit dem jetzigen Wissen zu evaluieren. In diesem Zusammenhang wurde von K.-R. Fabig darauf hingewiesen, dass in der Studie die Begrifflichkeiten „Exposition“ und „Multiple Chemikaliensensitivität (MCS)“ nicht vermischt werden sollten. Unter den klagenden Holzschutzmittelexponierten gäbe es Menschen mit MCS (Diagnoseschlüssel T78.4 im ICD-10) und ohne MCS. Weiterhin gibt es möglicherweise unter den Klägern eine Gruppe mit „geringer“ oder sehr niedriger Exposition, die wegen vorwiegend MCS-bedingter Beschwerden die Klage mittrugen. Es könnte sein, dass in einigen Fällen bereits die „Hintergrund“-Exposition wegen MCS zur gesundheitlichen Beeinträchtigung führte. Insofern sind bisher verfügbare Erkenntnisse über MCS in die Studie einzubeziehen. Es wurde einvernehmlich angeregt, eine „Checkliste“ über die Struktur der in den Akten vorhanden Daten zu erarbeiten. Zum Zweck der Aktensichtung (sieben Zentner: nach Prof. Dr. Schöndorf) wird das bgvv ein behördliches Schreiben an das Landgericht Frankfurt über die Modalitäten einer „Ausleihe“ oder „Überführung“ der Holzschutzmittel-Akten in die Wege leiten. Eine Checklisten-Übersicht wäre eine Voraussetzung und Grundlage einer „Machbarkeitsstudie“. Die Vergabe des Auftrags für die Durchführung der eigentlichen Holzschutzmittel-Studie wird sorgfältig entschieden. Hier soll allein die wissenschaftliche Überzeugungskraft des Studiendesigns und der Realisierungswille entscheiden, zu dessen Formulierung alle entsprechenden Institute ausführlich und öffentlich aufgerufen werden.
Prof. Dr. Lingk wird ein Ergebnisprotokoll dieser Sitzung sowie zügige Anberaumung eines neuen Sitzungstermins in die Wege leiten.

Zu dem Sachverständigengespräch waren eingeladen und fehlten entschuldigt oder ohne Angabe von Gründen (Reihenfolde der Einladerliste): Prof. Dr. Altenkirch, Prof. Dr. Mesch-Sundermann, Prof. Dr. Wichmann, Dr. B. Heinzow, Prof. Dr. Angerer, Dr. H. Kruse, Prof. Dr. I. Gerhard, Dr. F. Kalberlah.
postet by : IHG Geschäftsstelle